Zoonosen bei Ratte und Mensch

Infektionskrankheiten, die von Tier zu Mensch und von Mensch zu Tier übertragbar sind, werden als Zoonosen bezeichnet. Richtiger: Zooanthroponosen (Zoon = Tier, Anthropos = Mensch).

Etwa 200 Krankheiten sind bislang bekannt, die sowohl bei einem Tier wie auch beim Menschen vorkommen und in beide Richtungen übertragen werden können. Die eigentlichen Erreger können dabei Prionen, Viren, Bakterien, Pilze, Protozoen, Helminthen oder Arthropoden sein.

Nach dem Infektionsschutzgesetz sind Infektionen dieser Art meldepflichtig.

Zu den häufigsten Erregern, die durch Hunde übertragen werden, zählen Tollwutviren, Leptospiren und der Fuchsbandwurm. Bei Katzen sind dies ebenfalls Tollwutviren, Hautpilz und Toxoplasma gondi. Ratten übertragen Leptospiren und Hantaviren, Goldhamster und Maus den LCM-Virus, Meerschweinchen und Kaninchen Hautpilz.

Zusammenfassung

Wie oben erwähnt, können Zoonosen u. a. durch Bakterien, Viren, Parasiten und Pilze ausgelöst werden. Das Risiko, sich bei Wildtieren zu infizieren, ist weitaus größer als die Gefahr, sich bei unseren als Heimtiere gehaltenen Ratten anzustecken. Es ist deshalb auch nicht ratsam, Wildfänge als Haustiere zu pflegen, es sei denn, es handelt sich um Nachkommen von Wanderratten, die unter Laborbedingungen gezüchtet und aufgezogen wurden. Doch an den meist relativ scheu und zurückhaltend bleibenden Wildratten würden viele Menschen ohnehin nur wenig Freude haben. Als Haus- und Schmusetiere sind unsere Farbratten viel besser geeignet.

Wer seine Ratten aus dem Zooladen, Tierheim oder anderen "seriösen" Quellen bezieht und sie nicht in der Natur frei laufen lässt, ist vor einer möglichen Ansteckung von Krankheiten weitgehend geschützt.

Regelmäßige Reinigung der Käfige, aller Utensilien und der Umgebung der Vierbeiner sollte ebenso wie Händewaschen vor und nach dem Umgang mit Tieren eine Selbstverständlichkeit sein, wobei es weit mehr zutreffend ist, dass der Mensch eher die gegenüber Infektionskrankheiten empfindlichen Heimtiere ansteckt und daher viele Hygienemaßnahmen in erster Linie der Gesundheit unserer Ratten dienen.

Es gibt einige wenige Krankheiten, deren Träger Ratten sind. Die Pest gehört nicht dazu, der eigentliche Träger ist unklar. Zwar kann die Ratte selbst auch an der Pest erkranken und somit, wie ein erkrankter Mensch auch, die Infektion weitergeben. In der Literatur wird beschrieben, dass Flöhe die eigentlichen Überträger waren. Starb eine Ratte an der Pest, verließen die Parasiten die toten Wirte und suchten den Menschen heim. Die vom Pesterreger befallenen Hausratten wurden später von den ihnen körperlich überlegenen Wanderratten verdrängt.

Wie im Kapitel Krankheiten erwähnt, spielen neben Verletzungen durch Rattenbisse Allergien, ausgelöst durch Ausscheidungen, Haare und Hautschuppen der Tiere und dergleichen ebenfalls eine Rolle. Neben "harmlosen" Hautrötungen und Juckreiz kann es beim Menschen als Antwort auf eine allergische Reaktion unter Umständen zu akuter Atemnot und dadurch zu einem lebensbedrohlichen Zustand kommen.

Die wichtigste der durch Ratten übertragbaren Zoonosen ist Streptobacillus moniliformis. Dieses Bakterium lebt in der Maulhöhle der Ratte, ohne aber bei ihr eine Erkrankung auszulösen. Zusammen mit Mycoplasmen und Viren kann es bei Ratten zu Lungenentzündung (Bronchopneumonie), Ohrentzündungen, Bindehautentzündung kommen. Wird es von einer Wildratte (in seltenen Fällen auch durch Laborratten) auf eine andere Tierart (z. B. Maus) oder den Menschen übertragen, so ist die Wundheilung nach einem Biss zwar komplikationslos. Nach einer Inkubationszeit zwischen 3-10 Tagen kann es zu einer schweren Erkrankung kommen, die begleitet wird von hohem Fieber, Schüttelfrost, Kopfschmerzen, Übelkeit, Halsentzündung Husten, Heiserkeit etc., und im Extremfall zum Tod führt. Bleibt die Krankheit unbehandelt, kann es über Wochen wiederholt zu Fieberschüben kommen.

Da die Übertragung meist durch einen Biss stattfindet (auch durch Kratzwunden möglich) wird die Krankheit "Rattenbissfieber" genannt. Nachdem in einer Ortschaft im Nordosten der USA vor Jahren ein Ausbruch beschrieben wurde, bezeichnet man die Erkrankung nach dieser Stadt auch als "Haverhill Fieber". Streptobacillus moniliformis kann auch durch Mäuse und Meerschweinchen übertragen werden und ist weltweit verbreitet.

Ein zweites Bakterium, Spirillum minus, löst ebenfalls Rattenbissfieber aus, ist wie Streptobacillus moniliformis weltweit vorkommend und kann von Ratte, Maus, Eichhörnchen, Meerschweinchen, Frettchen, Wiesel durch Bisse übertragen werden. Die Tiere selbst erkranken nicht, bei Ratten kann es gelegentlich zu Hornhaut- oder Bindehautentzündung kommen.

Nach dem Abheilen der Bisswunde und einer Inkubationszeit von 2-3 Wochen, gelegentlich 4 Monaten, kommt es bei "Sodoku", so wird die Krankheit beim Menschen genannt, plötzlich zu sehr hohem Fieberanstieg, erneuter Rötung und harter Schwellung an der Bissstelle, nach 1-2 Tagen neben weiteren schweren Symptomen zu Schüttelfrost, Kopfschmerzen, gelegentlich ZNS-Störungen (Zentralnervensystem). Ohne Behandlung brechen wiederholt, wie bei einer Infektion mit Streptobacillus moniliformis, Fieberschübe über Monate bis Jahre aus. Die Behandlung kann mit Penicillin, Sulfonamiden, Tetracyclin, Chloramphenicol erfolgen.

Diese Bakterien können mit Sicherheit durchaus in wilden Ratten gefunden werden, aber auch in Haustier-Ratten.

In Versuchtierbeständen ist die Infektion vor 10-20 Jahren eliminiert worden. Man muss aber bedenken, dass selbst wenn eine Ratte Träger einer dieser Bakterien ist und ein Mensch von diesem Tier gebissen wird, es nicht in jedem Falle zu einer Übertragung und einer Infektion kommt. Außerdem führt nicht jede Infektion zu Krankheitssymptomen und viele dieser Erkrankungen verlaufen sehr milde, die Bissstelle ist etwas geschwollen und vielleicht hat man etwas Fieber, aber dann ist schon alles überstanden. Nur in Extremfällen, etwa bei drogenabhängigen Menschen, kann der Körper nicht schnell genug reagieren und die Erkrankung kann zum Tod führen.

Obwohl die Ratte und der Mensch so eng zusammenleben und viele Ratten als Haustiere gehalten werden, ist Rattenbissfieber eine Seltenheit. Das Risiko ist demzufolge gering, aber es besteht trotzdem. Ich möchte niemanden unnötig ängstigen, aber Rattenhalter sollten von dieser (und anderen möglichen) Erkrankung wissen. Panik ist jedoch unangebracht. Mit dem Wissen um diese Krankheit kann jeder, wenn nach einem Rattenbiss plötzlich (die beschriebenen) Symptome auftreten, sofort einen Arzt aufsuchen. Die Infektion ist dann mit Antibiotika problemlos behandelbar!

Es gibt noch einen weiteren Infektionserreger bei dem die Ratte Träger ist. Er wird Hanta Virus oder Seoul Virus genannt. Hantaviren werden von Wildratten und -mäusen übertragen und lösen u.a. schwere Erkrankungen, wie Lungenentzündung oder Nierenversagen aus. Es gibt verschiedene Hantavirustypen und jeder hat seinen eigenen Wirt.

So bevorzugt der Hantaanvirus die Brand- und Gelbhalsmaus, Puumala die Rötelmaus und Seoul Wander- und Hausratte. Aus dem Vorkommen der Wirtstiere ergibt sich auch das Verbreitungsgebiet (Hantaan: Südostasien, Südosteuropa, östliches Russland. Puumala: Skandinavien, Mitteleuropa, Russland, Belgrad: Südosteuropa, Balkan. Seoul: weltweit (internationale Schifffahrtswege)

Die Übertragung findet meist nicht durch direkten Kontakt, sondern durch Einatmen von Staub der mit Rattenexkrementen kontaminiert ist. Auch bei Hantavirusinfektionen erkranken die Ratten selbst nicht, scheiden aber den Erreger durch Urin, Speichel und Kot aus. Die Erkrankung ist zwar viel seltener, aber auch viel gefährlicher. Nach einer Infektion kommt es beim Menschen u. a zu Hämorrhagischem Fieber (meist durch Viren ausgelöstes infektiöses Fieber mit Blutungen) ,Schock, Niereninsuffizienz, Rückenschmerzen (Lumbalgien), Blutungen, da auch häufig das Gehirn betroffen ist, oft zum Tod. Es gibt keine effektive Behandlung. Unsere Ratten, die als Haustiere gehalten werden, sind jedoch sehr, sehr viel seltener betroffen als Wildratten (20% der Ratten in Baltimore).

Leptospirose

Vor einigen Jahren bekam ich Anfragen bezüglich einer Aktion in Bremen, bei deren Verlauf offensichtlich Ratten zur Vermittlung kamen, deren Halter, so wurde mir das mitgeteilt, _vermutlich_ an Leptospirose erkrankt war. Hier einige Informationen, die nicht nur für Rattenhalter interessant sind, die aus diesem Notfall Ratten bei sich aufgenommen haben. Leptospiren, weltweit vorkommend, werden häufig über den Urin von Nagetieren ausgeschieden. Überträger von Leptospirose sind Feldmäuse und Wildratten, aber auch andere Wild- sowie Haustiere, wie z. B. Hunde und Katzen. Farbratten können sich beim Freilauf (Wald, Wiesen) infizieren und die Krankheit auf den Menschen übertragen. Deshalb sollte der Rattenhalter seine Heimtiere besser nicht im Freien laufen lassen. Erkrankte Ratten zeigen meist keinerlei Symptome.

Leptospiren können bei Menschen durch kleine Verletzungen in der Haut eindringen. Durch diese Bakterien kann es neben milden Verlaufsformen mit grippeähnlichen Symptomen, die rasch abklingen, aber auch zu schweren chronischen Erkrankungen kommen, die u. a. mit Schüttelfrost, Muskelschmerzen und hohem Fieber einhergehen. Weiterhin können Leptospiren Gelbsucht, Hirnhautentzündung, sowie Fieber und Muskelschmerzen hervorrufen. Mitunter kann es zu Nierenveränderungen kommen. Leptospiren werden durch eine Harnuntersuchung nachgewiesen. Eine rasche Behandlung mit einem geeigneten Antibiotikum ist notwendig!

Besonders interessant für uns Rattenhalter finde ich folgende Information, vor allem, weil in der Regel besonders gerne (Wild)-Ratten für alle möglichen Krankheiten verantwortlich gemacht werden:

Nach Angaben des amerikanischen Instituts für Krankheitskontrolle (CDC) sind in Deutschland 10% der Leptospirosefälle beim Menschen mit der Haltung von Haustieren verbunden, allerdings in den weitaus meisten Fällen mit Hunden und nur wiederum in 8% von diesen 10% mit Ratten. Das zeigt, dass zum Beispiel Aktivitäten wie Arbeiten im Garten viel gefährlicher sind. Diese Tätigkeiten sind verantwortlich für 9% der Fälle (also 11 mal so viele wie die Haltung von Ratten)!

Im speziellen Fall (wie in Bremen) ist von besonderer Bedeutung zu wissen, ob und woher der Rattenhalter tatsächlich Leptospirose hat(te). Wenn er wirklich von seinen Ratten infiziert wurde, sind die Tiere eine Gefahr. Wenn nicht, dann sind sie genau so (un)gefährlich wie jedermanns eigene Farbratten. Da diese Aktion sicher kein Einzelfall ist, bzw. bleiben und sich immer wieder die Frage nach möglichen Erkrankungen stellen wird, sind in jedem Einzelfall immer die Personen verantwortlich, die eine entsprechende Aktion durchführen, bzw. diejenigen, die die Vermittlung der Ratten in die Wege leiten. Wenn es " Gerüchte" gibt, dass der Halter der Tiere eventuell an Leptospirose erkrankt sein könnte, dann sollte in jedem Falle vor der Vermittlung bei den Behörden (Amtsveterinär, zuständiges Landratsamt, notfalls Polizei usw.) Rückfrage erfolgen.

Da Leptospirose meldepflichtig ist, sollten die Ämter Auskunft geben können.

Wer Tiere aus einem Notfall aufgenommen hat, bei welchem der Verdacht besteht, dass der Halter oder die Ratten an Leptospirose erkrankt sein könnten, kann die Ratten eventuell untersuchen lassen. Nur so lässt sich mit Sicherheit eine Erkrankung ausschließen.

Eine Untersuchung der Ratten ist im Prinzip möglich.

Um den Erreger im Blut nachzuweisen, ist ein spezifischer Test notwendig, der vermutlich nur in wenigen Speziallabors durchgeführt werden kann. Der Urin aber kann kultiviert werden und wenn Bakterien vorhanden sind, sollten sie wachsen. Die meisten veterinärmedizinischen Labors müssten diesen Test durchführen können. Wie viel eine solche Untersuchung kostet, wird der behandelnde Tierarzt beantworten können. Wichtig ist zu wissen, dass die Übertragung der Krankheit nicht nur dadurch erfolgt, dass Harn infizierter Tiere in offene Wunden gelangt, es genügt allein der Kontakt mit dem Tier, bzw. mit dessen Ausscheidungen (diese können z. B. über Mund und Nase in den Körper gelangen).

Wurden bei der Untersuchung von Blut oder Urin Leptospiren gefunden, empfiehlt sich eine Behandlung mit Amoxicillin (2 x tgl. 15 mg/kg KGW und eine anschließende Nachbehandlung mit Streptomycin (2 x tgl. 10 mg/kg KGW, 2 Tage lang).

Salmonellen

Bei befallenen Tieren treten nach einer Infektion mit Salmonellen häufig keine klinischen Erscheinungen auf. Salmonellose kann latent, chronisch oder akut verlaufen. Bei akutem Verlauf kann es zu starken Durchfällen mit Todesfolge kommen. Chronischer Verlauf äußert sich mitunter mit Durchfall und Abmagern. Jungtiere sind besonders gefährdet. Eine Ansteckung kann z. B. durch Kot von Wildmäusen oder auch Nahrung erfolgen. Wegen der hohen Infektionsgefahr mit für den Menschen gefährlichen Keimen ist unbedingt auf peinliche Sauberkeit und Desinfektion der Hände nach dem Kontakt mit erkrankten Tieren zu achten.

Kuhpocken

Kuhpocken werden durch eine Infektion mit dem Kuhpockenvirus (gehört zu den Orthopockenviren) verursacht und kommen in Europa und Mittelasien vor. Bisher wurden weltweit weniger als 200 Krankheitsfälle beim Menschen beschrieben und nur von 2 Todesfällen berichtet. Für Kuhpockeninfektionen beim Menschen besteht bislang keine Meldepflicht.

Kuhpockeninfektionen von Nagern sind jedoch im Gegensatz zu der Infektion bei Katzen meldepflichtig.

Die Infektion wurde erstmalig bei Kühen beschrieben (daher auch die Bezeichnung). In den letzten Jahrzehnten wurde die Krankheit nicht mehr bei Kühen nachgewiesen, dafür häufig bei Katzen und in den letzten Jahren auch bei Ratten, sowie bei exotischen Tieren in Zoos. Bevor es die Pockenschutzimpfung gab, erkrankten vor allem Menschen mit engem Kontakt zu Kühen. Seit der weltweiten Ausrottung der Pocken in den Siebzigerjahren wird weltweit nicht mehr gegen Pocken geimpft. Deshalb erkranken auch eher junge Menschen, die keinen Impfschutz haben, an Kuhpocken.

Die Infektion erfolgt durch direkten Kontakt mit infizierten Tieren oder virushaltigem klinischen Material dieser Tiere (Krusten, vermutlich Sekrete) und wird in der Regel symptomatisch, entstehende bakterielle Sekundärinfektionen antibiotisch behandelt.

Eine Übertragung von Mensch-zu-Mensch wurde bisher nicht beobachtet.

Sieben bis zehn Tage nach der Infektion zeigen sich pockentypische Hautveränderungen. Je nach Stadium bilden sich Blasen oder Pusteln, die mit der Zeit verkrusten. Bei gesunden Menschen kommt die Krankheit ohne therapeutische Maßnahmen zum Erliegen. Lediglich bei Menschen, deren Immunsystem gestört ist, oder wenn die Infektion das Auge betrifft, kann es zu Komplikationen kommen. Direkter Kontakt zu infizierten Tieren sollte vermieden und entsprechende Hygienemaßnahmen eingehalten werden. Wer an seinen Haustieren oder sich selbst Hautveränderungen feststellt, sollte diese abdecken und einen Arzt aufsuchen, bzw sein Tier einem Veterinär vorstellen.

Es ist bisher nicht bekannt, ob Heimtiere die Viren nur dann übertragen, wenn sie auch Krankheitssymptome zeigen, wobei man davon ausgeht, dass die Gefahr einer Ansteckung größer ist, wenn Symptome erkennbar sind. Weiter ist noch unbekannt, ob eine erkrankte Ratte alle anderen im Bestand ansteckt, man geht jedoch von einer höheren Wahrscheinlichkeit für eine Ansteckung der anderen Tiere aus.

Was bedeutet dies für Rattenhalter?:

Die Inkubationszeit bei infizierten Ratten beträgt ähnlich wie bei Menschen sehr wahrscheinlich etwa 7-10 Tage, was jedoch noch genau bestimmt werden muss. Wenn jemand Tiere aus dem Zoofachhandel erwirbt und diese nach 2 Wochen keinerlei Krankheitssymptome zeigen, kann man wahrscheinlich davon ausgehen, dass diese Tiere nicht erkrankt sind. Es liegen jedoch noch keine Untersuchungsergebnisse vor, ob es nicht-symptomatische infizierte Ratten gibt. Es ist nicht bekannt, ob die Krankheit immer ausbricht, wenn eine Ratte erkrankt ist. Herausgefunden wurde bisher, dass Ratten eine Kuhpockeninfektion überleben können, in der Zwischenzeit aber infektiös sind.

Ob eine Ratte den Erreger in sich trägt, wenn sie selbst aber keine Symptome zeigt, könnte serologisch durch den IgM Titer bestimmt werden, der eine aktuelle Infektion bestätigen würde. Der ansonsten bestimmte IgG Titer sagt einem nur, ob das Tier jemals Kontakt zu Kuhpocken hatte. Weiterhin geht man im Moment davon aus, dass bei einer Infektion meist (immer?) der Rachen betroffen ist, so dass man einen direkten Virusnachweis bei einem Rachentupfer versuchen könnte. Die Wahrscheinlichkeit eines falsch-negativen Ergebnis ist allerdings nicht bekannt. Es wäre auch eine Untersuchung einer veränderten Hautläsion mittels Biopsie möglich.

Wenn ein erworbenes Tier nach 14 Tagen keine Krankheitssysmptome zeigt, kann man höchstwahrscheinlich davon ausgehen, dass es gesund ist, was jedoch wie oben erwähnt wurde, noch nicht bewiesen ist. Da nicht jeder Kontakt eines Menschen mit einem infizierten Tier zu einer Infektion führt, kann man nicht mit Sicherheit davon ausgehen, dass, wenn ein Mensch nach dem Kontakt mit Ratten und der beschriebenen Inkubationszeit von 7-12 Tage keine Krankheitssymptome zeigt, von den Tieren keine Gefahr ausgeht. Wie häufig eine Infektion stattfindet und unter welchen Bedingungen, ist bisher nicht bekannt.

Die Quarantänezeit für neu erworbene Tiere sollte etwa 14 Tage dauern, nach dieser Zeit kann man wahrscheinlich davon ausgehen, dass die Tiere gesund sind, wenn sie keine Krankheitsanzeichen zeigen.

Eine Impfung für Ratten gegen Kuhpocken gibt es nicht.

Leider sind diese Informationen insgesamt für Rattenhalter sehr unbefriedigend. In diesem Zusammenhang sollte unbedingt auch erwähnt werden, dass einen nachweisliche Kuhpocken-Infektion von Haustier-Ratten erst im Jahr 2008 zum ersten Mal überhaupt bestätigt wurde. Da Kuhpockeninfektionen einfach zu selten sind, würde es daher keinen sinn machen, Haustiere prohylaktisch zu untersuchen, um sie für kuhpockenfrei zu erklären.

Da es sich bei den bisherigen Fällen um sehr geringe Fallzahlen handelt, die laut Auskunft des RKI alle auf eine Quelle zurück geführt werden können, bedeutet dies, dass das Gesamtrisiko für eine Kuhpocken-Infektion im Vergleich zu anderen Krankheiten für Rattenhalter sehr gering ist! Unabhängig von der Tatsache, dass Ratten eventuell an Kuhpocken erkranken könnten, sollte davon ausgegangen werden, dass ein Tierhalter ohnehin jedes kranke Tier einem Veterinär vorstellt, egal, ob es sich nun um eine neu erworbene Ratte oder ein Tier aus dem Bestand handelt.

Besonderes Augenmerk sollte bei Verdacht auf Kuhpocken auf irgendwelche Veränderungen gerichtet werden, wie zum Beispiel Hautläsionen. Bei schlecht heilende kleineren Wunden im Bereich der Ohren, Nase, Maul oder Pfoten, sollte in jedem Fall ein Tierarzt aufgesucht und bis zur Klärung beim Handling mit den Tieren eventuell Handschuhe getragen werden. Ansonsten ist Panik unangebracht und mit den bislang zur Verfügung stehenden Informationen reichen normale Hygienemaßnahmen bis zur Diagnosestellung des Tierarztes und der Verzicht auf zu engen Kontakt mit den Ratten völlig aus, da ähnliche Symptome auch bei Parasitenbefall, innerartlichen Auseinandersetzungen (Bissverletzungen) und Hautmykosen auftreten können. Bei einem positiven Ergebnis sollten die Käfige/Volieren usw desinfiziert und Wäsche, die mit den Tieren in Kontakt gekommen ist, bei 60 Grad gewaschen werden. Dazu gehört auch eine Desinfektion der Hände mit einem Mittel, dass mindestens "begrenzt viruzid" wirkt.

Entdeckt der Tierhalter an sich selbst Hautveränderungen, sollten diese abgedeckt, ein Arzt aufgesucht und dieser über die etwaige Erkrankung von Heimtieren informiert werden,

(Quelle: Konsiliarlabor für Pockenviren Robert Koch Institut, Stand 12.2.09)

Toxoplasmose

Die Kokzidienart Toxoplasma gondii entwickelt sich im Darm von Katzen.

Hier einige Fragen und Antworten, die Rattenhalter interessieren könnten:

Muss das Heimtier Ratte aus dem Haus, wenn ein Baby kommt?

Nein!

Ist der Kontakt mit den Schmuserratten gefährlich für schwangere Frauen?

Nein!

Kann Toxoplasmose von Ratten auf den Menschen übertragen werden?

Nein!

Toxoplasmose ist für viele Tiere infektiös, aber nur die Katze ist der Endwirt und scheidet infektiöse Eier aus. Bei allen anderen Tierarten (inkl. Mensch) bildet der Erreger Zysten im Gewebe. Diese können nur durch den Verzehr von ungekochtem Fleisch (an erster Stelle Schweinefleisch) übertragen werden (z.B. Steak, Tartar, aber auch Rohwurst, wie Salami).

Das heißt, solange der Besitzer die Ratte nicht ungekocht verspeist, bildet diese keine Gefahr :-)

Die Eier im Katzenkot brauchen ~3 Tage bis sie infektiös sind.

Eine tägliche Reinigung einschl. Desinfektion ( 60 Grad heißes Wasser ist ausreichend) der Katzentoilette sollte nur mit Handschuhen erfolgen, evtl durch eine andere Person. Natürlich hinterlässt selbst das sauberste Tier kleinste Kotverunreinigung in der Wohnung und diese können dann infektiose Eier enthalten. Es ist alles eine Frage des Risikos, das jeder für sich abschätzen sollte. Rattenhalter sind also zumindest nicht durch ihre Ratten gefährdet!

Ratten (und alle anderen Tieren außer der Katze) können die Krankheit nicht übertragen. Ansteckungsgefahr für den Menschen und andere Säugetiere besteht also nicht durch ihre Ratten, sondern durch die Ausscheidungen der Katze (Kot)

Mögliche Infektionsquellen sind:

- Kot (nur Katze)

- ungekochtes Fleisch (alle anderen Tiere)

Eine schwangere Rattenhalterin, die gleichzeitig (besonders freilaufende) Katzen als Haustiere hält, sollte sich aufgrund ihrer Katzenhaltung unbedingt mit den Vorsichtsmaßnahmen vertraut machen. Hygienemaßnahmen, wie Händewaschen nach jedem Kontakt mit Katzen sollten selbstverständlich sein. Die Gefahr einer Infektion besteht aber zum Beispiel auch bei der Gartenarbeit. Schwangere sollten dabei unbedingt Gummihandschuhe tragen, denn herumstreunende Katzen können die Gartenerde mit ihrem Kot verunreinigen, wobei es zu einer Schmierinfektion kommen kann. Deshalb auch unbedingt selbst angebautes Gemüse und Salat aus dem Freiland, da dieses z.B. durch Schnecken, die mit Katzenkot in Berührung kommen können, verunreinigt sein könnte, sehr gründlich waschen. Bei Nagern ist eine Infektion mit Toxoplasmose meist inapparent (= äußerlich nicht erkennbar), selten kann es zu einer Beeinträchtigung des Allgemeinbefindens, Durchfall und Lähmungserscheinungen kommen.

Behandlung mittels Sulfonamiden.

Z.B. 2 x täglich 20 mg/kg Sulfadoxin und 4 mg/kg Trimethoprim, oral oder s.c.